KI-Schulung & Fortbildung · Bodo Kern

Wenn die KI dich wörtlich nimmt

Von Bodo Kern · Stand 30. Oktober 2026

Sie sagen etwas nebenbei. Die KI macht ein Pflichtenheft daraus.

Ein Bild sagt alles

Für einen Film wünschte ich mir ein Standbild: ein einzelnes Blatt treibt auf dem Fluss. Die Anweisung begann aber mit „die Frau aus Bild 1 an diesem Ort“, und erst danach kam „keine Person im Bild“.

VorherFigur steht im Wasser, davor ein Blatt
Das Blatt ist da. Die Figur badet gleich mit.
NachherNur ein gelbes Blatt auf dem Wasser
Figur ausdrücklich ausgeschlossen, nur der Ort als Vorlage. Jetzt stimmt’s.

Beide Bilder sind mit KI erzeugt.

Drei Lieblingsfälle

„Ein bisschen Singsang“

Eigentlich sollte die Musikauswahl nur aufgelockert werden. Danach gab es nur noch Stücke mit keltischem Gesang.

Korrektur: Klar sagen: gemischt, auch mal instrumental.

Seitdem gilt: Mengen nennen. „Ab und zu“ ist eine Anforderung.

Die Rezepte-App

Bei der Erstellung einer Rezepte-App hing sich die KI völlig an den Allergenen auf. Wichtig, aber nicht alles.

Korrektur: Zurück zum Gesamtbild führen.

Seitdem gilt: Nach jedem Teilziel fragen: Was fehlt noch fürs Ganze?

Die Vermutung, die zur Wahrheit wurde

Eine Figur blieb im Clip stehen. Die KI war sicher: Schuld ist die schnelle Modelleinstellung. Ein Kontrolllauf zeigte: Es lag am Startbild und am Text.

Korrektur: Nachmessen statt glauben.

Seitdem gilt: Eine Erklärung ist kein Beweis, auch wenn sie überzeugend klingt.

Fehler, die beim Coden passieren

Ein Befehl, 794 falsche Zeilen

Eine einzige Regel sollte ins Regelwerk. Die Suche fand die Stelle nicht, die Variable blieb leer, der Befehl setzte die Regel hinter jede Zeile.

Korrektur: Bemerkt, sofort entfernt.

Seitdem gilt: Variablen vor dem Schreiben prüfen.

Der überschriebene Stand

Das Prüfwerkzeug meldete, dass eine Live-Datei abweicht. Der Befehl lud trotzdem im selben Atemzug hoch. 51 Adressen fehlten kurz.

Korrektur: Aus Sicherung wiederhergestellt.

Seitdem gilt: Vergleichen und Veröffentlichen sind zwei Schritte, mit einem Blick dazwischen.

16 Bilder pro Sekunde

Technisch fehlerfrei, trotzdem hat es sofort geruckelt. Das sah nur der Mensch.

Korrektur: Auf 25 Bilder hochgerechnet, nachgemessen.

Seitdem gilt: Was ankommt, prüft man am Ende im Player, nicht in der Logdatei.

So formulieren Sie besser

Vorher

„Nimm doch mal so einen Singsang dazu.“

Nachher

„Etwa jedes dritte Stück darf Gesang haben, der Rest bleibt instrumental. Das ist nur eine Auflockerung.“

Vorher

„Mach eine Rezepte-App, achte auf Allergene.“

Nachher

„Erst die Rezepte, dann Einkaufsliste. Allergene sind ein Filter, kein Schwerpunkt. Zeig mir einen Zwischenstand.“

Die zweite Spalte sind Formulierungsbeispiele von mir, nicht wörtliche Protokolle.

Oft gefragt

Warum überbewertet eine KI Nebensätze?

Sie versucht, jeden Hinweis zu erfüllen, und hat wenig Gefühl dafür, was nur Beispiel war. Deshalb hilft es, Gewichtung und Menge ausdrücklich zu nennen.

Hilft ein Regelwerk wirklich?

Bei uns ja: Jede Panne steht als Regel in einer Datei, die der Agent vor der Arbeit liest, inzwischen rund 800 Zeilen. Ganz verhindern lässt sich nichts, aber es passiert seltener zweimal.

Dieser Text entstand mit KI-Unterstützung und wurde geprüft. Mit KI erzeugte Bilder sind benannt. Keine Rechtsberatung. Mehr: Medien im KI-Zeitalter · KernCraft-Apps